| Montagnachmittag,
1. März 2003, auf dem Bahnhofsvorplatz von Darmstadt.

Ein Junge
(17) klammert sich an einem Laternenmast fest, Passanten eilen
ihm zur Hilfe. Er ist völlig hilflos, schwer behindert,
kann nicht sprechen, versteht kein Wort Deutsch. Später
stellt die Polizei fest: es gibt niemanden, der den Jungen
vermisst. Die unfassbare Erkenntnis: Der Junge wurde einfach
ausgesetzt!
In der gestrigen Sendung von „Aktenzeichen XY...ungelöst“
(ZDF, 20.15 Uhr) wurde über das furchtbare Schicksal
des Jungen berichtet. Denn die Polizei ermittelt wegen Aussetzung,
hofft jetzt, durch Hinweise aus Deutschland und den Nachbarstaaten
endlich etwas über die Herkunft des 17-Jährigen
zu erfahren.
Die Behörden sind in großer Sorge um den Jungen.
Seine rechte Hand und sein rechtes Bein sind verkrüppelt.
Rätsel gibt auch die äußere Erscheinung auf:
der 17-Jährige ist sehr gepflegt und könnte aus
dem arabischen Raum stammen. Als man ihn fand, erlitt er vermutlich
wegen der ganzen Aufregung einen epileptischen Anfall, liegt
jetzt im Krankenhaus. Sein Gesundheitszustand ist sehr ernst.
Er wird in einer neurologischen Klinik behandelt.
Dieser Fall macht auch hartgesottene Fahnder betroffen. Wer
setzt einfach einen völlig hilflosen Jungen aus?
Die Ermittler schickten seine Fingerabdrücke zum Bundeskriminalamt
(BKA). Ohne Ergebnis. Sie fragten überall nach. Niemand
kennt den Jungen. Heiner Jerofsky, Sprecher des Polizeipräsidiums
Südhessen in Darmstadt gegenüber Bild.T-Online:
„In keiner Einrichtung, in denen solche Menschen betreut
werden, wird dieser Junge vermisst.“
Möglicherweise wurde er aus dem Ausland nach Darmstadt
gebracht. Am Bahnhofsvorplatz gibt es auch einen Autobahnzubringer,
einen Busbahnhof. Nicht weit entfernt von Darmstadt liegt
die internationale Luftfahrtdrehscheibe Frankfurt/Main.
Offenbar hat der Junge keine Verwandten in Deutschland, niemanden,
in dessen Obhut er kommen sollte. Aber warum setzen Eltern
ihr Kind einfach aus, überlassen es einem völlig
ungewissen Schicksal, riskieren sogar den Tod des Jungen?
Vielleicht haben ihn die Eltern oder Verwandte nach Deutschland
gebracht oder bringen lassen, weil sie hoffen, dass er es
hier besser hat als in seiner Heimat. Dass er hier eine medizinische
Versorgung bekommt, in einem liebevolleren Umfeld aufwächst.
Die Polizei hofft, auch über die Kleidung des Jungen
Näheres über seine Herkunft zu erfahren. Am Tag,
als Passanten ihn fanden, trug er einen hellbraunen Strickpulli
mit Knopfleiste, im Brustbereich mit rechteckigem Farbmuster
in beige, grün, schwarz und braun, Marke Tricot Chelsi
mit arabischen Schriftzeichen. Dazu eine beigebraune, kurzarmige
Daunenweste mit verschiedenen Aufdrucken aus dem Football-Sport
sowie eine schwarzen Hose und hellbraune Wildlederschuhe (Größe
42) des Herstellers Özgür.
Wer kann helfen, die Identität des schwer behinderten
Jungen zu klären?
Hinweise
(auch vertrauliche) nimmt das Polizeipräsidium Südhessen
in Darmstadt unter der Rufnummer 06151/969 30 30 entgegen.
Beschreibung
des Jungen, siehe, bitte http://vermisste-kinder.at.tf
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