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ein Dach für geschiedene/getrennte Männer

Erstes Haus für geschiedene Männer:

Erstes Haus für Männer Opfer von häuslicher Gewalt:

2 verschiedene Projekte

Erstes Projekt, bis jetzt in Welschland nicht bekannt

Männer, durch Trennung oder Scheidung heimatlos geworden, finden in Erlenbachs ehemaliger Fischbeiz am See ein Nest für sich und ihre Kinder.

Zweites Projekt, neu, von VEV

Es steht im Kanton Aargau, hat eine Küche, ein Wohn- und fünf Schlafzimmer und nimmt ab 10. Dezember Männer auf, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind: «ZwüscheHalt» ist das erste Männerhaus der Schweiz

Mitten in Erlenbachs Unterdorf, 50 Meter vom Schiffssteg entfernt, fast direkt am See: Das Scheidungsmänner-Haus hat eine Toplage. Beschriftet ist es mit «Restaurant Fischstübli», weil da einst eine Fischbeiz einquartiert war. Fortan sollen im alten Haus frisch getrennte und geschiedene Männer einen Schutzraum oder ein Nest finden. Die auf zwei Stockwerken verteilten fünf Zimmer plus Küche vermitteln dank Holztäfer und verwinkelten Treppenaufgängen ein warmes Ambiente. Erst recht die zwei Schlupfwinkel, wo mehrere Kinder übernachten können, wenn sie ihre Väter besuchen. Ehemänner, die es zu Hause nicht mehr aushalten, dürfen da für ein paar Tage, Wochen oder für ein halbes Jahr unterkommen, bis sie etwas Neues gefunden haben.

Das Scheidungsmänner-Haus Erlenbach ist ein Pionierprojekt, einmalig wahrscheinlich nicht nur in der Schweiz. Initiant ist der umtriebige Erlenbacher Pfarrer Andreas Cabalzar. Wie alle seine Projekte ist auch dieses aus der Seelsorge hervorgewachsen. Im Sommer hat er vier getrennte Männer begleitet. Unter ihnen einen 40-Jährigen, dessen Frau sich in einen anderen verliebt hat. Cabalzar: «Der Mann hat es nicht gemerkt, fühlte sich betrogen und beschämt. Von einem Tag auf den anderen verlor er Frau, zwei Kinder und die ökonomische Sicherheit.» Nach der anfänglichen Aggression gegen den Konkurrenten wurde er depressiv und suizidal, landete in der Klinik. Männer wie ihn will das Haus am See auffangen.

Aufsuchende Seelsorge

Cabalzar weiss, wie schwer sich Männer im Allgemeinen tun, Hilfe im richtigen Zeitpunkt zu holen. Als Pfarrer ist er legitimiert, auf Leute zuzugehen und ihnen Begleitung anzubieten. Aufsuchende Seelsorge nennt er das. Drei der vier getrennten Männer hat er selber kontaktiert; via Bekannte hatte er von ihrem Leid erfahren. Er respektiert es, wenn jemand mit der Kirche nichts zu tun haben will. «Meistens aber sind die Leute froh, von jemandem in ihrem Leid wahrgenommen zu werden.»

Cabalzar setzt auf die heilende Wirkung der Schicksalsgemeinschaft im Scheidungshaus. Viele Männer seien schlecht vernetzt und liefen Gefahr zu vereinsamen. Darum stört es ihn auch nicht, dass im Parterre ein Caterer eine Bar eröffnet. Dass auch Männer Hilfe brauchen, ist ein Tabu beim Thema Trennung. Das andere ist das eher als zu Ungunsten der Männer geltende Scheidungsrecht. «Oft wird das Besuchsrecht für Väter nicht umgesetzt, oder Mütter halten es nicht ein», sagt Andreas Baumann, der die Paar- und Eheberatungsstelle des Bezirks Meilen leitet.

Kinder dürfen Väter besuchen

Innerhalb des Projektes arbeitet Cabalzar eng mit diesem halb staatlichen, halb kirchlichen Zweckverband zusammen. Während er mehr seelsorgerlich wirkt, sorgt sich Baumann um das Rechtliche, versucht aber auch mit Mediation eskalierende Prozesse zu verhindern und kindergerechte Lösungen anzubieten. Das eigentliche Drama passiert für ihn meist vor der Scheidung, bei der Trennung: «Dann ist der Druck am grössten. Wut, Scham, Aggression, ja Gewalt ziehen den Männern den Boden unter den Füssen weg.» Noch bedrückender als die meist schwierige finanzielle Situation sei das Wegfallen des Familiensystems. Darum sollen im Scheidungshaus die Kinder ihre Väter besuchen können.

Laut Cabalzar haben 50 Prozent der Scheidungsmänner zwei Jahre nach der Scheidung keinen Kontakt mehr mit ihren Kindern. Da fast die Hälfte der Ehen geschieden werde, wachse ein Viertel der Kinder ohne regelmässige Vaterbeziehung auf. Der Pfarrer ist überzeugt, mit dem Projekt ein Problem von gesellschaftlicher Relevanz anzugehen.

Fast zur gleichen Zeit öffnet bei Aarau ein Haus mit zehn Plätzen für geschlagene Väter seine Tore. Auch im Erlenbacher Haus ist Platz für geschlagene Männer. Laut Baumann ist dieses Thema für Männer demütigender und tabubesetzter als das Verlassenwerden.

Konfirmanden sanierten Haus

Als Pfarrer wusste Cabalzar, wie er unbürokratisch das Netzwerk der Kirchgemeinde und des Dorfes aktivieren und mit wenig Ressourcen sein Vorhaben verwirklichen kann. Beim neuen Besitzer des Hauses hat er eine günstige Miete ausgehandelt. Ehemalige Konfirmanden haben es saniert; ein Schreinerstift im 3. Lehrjahr hatte die Bauführung für das arg vernachlässigte Haus, das acht Jahre leer stand. Jedenfalls reichen die von der Kirchenpflege gesprochenen 6000 Franken für die anderthalbjährige Pilotphase. Mit den Mieteinnahmen der getrennten Männer will Cabalzar dann das Nachfolgeprojekt finanzieren: ein noch grösseres Geschiedenen-Haus mit einer eigentlichen Trägerschaft.

(Tages-Anzeiger), Von Michael Meier. Aktualisiert am 07.12.2009

Zweites Projekt:

Es steht im Kanton Aargau, hat eine Küche, ein Wohn- und fünf Schlafzimmer und nimmt ab 10. Dezember Männer auf, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind: «ZwüscheHalt» ist das erste Männerhaus der Schweiz. Der Mamablog wollte vom Initianten Oliver Hunziker wissen, ob es dem starken Geschlecht wirklich so schlecht geht, dass es untertauchen muss.

Herr Hunziker, rechnen Sie vor Weihnachten mit einem Ansturm von Männern mit blauen Augen und blutender Nase?

Oliver Hunziker: Wir rechnen zu Beginn nicht mit einem Ansturm. Und auch nicht mit blauen Augen, wohl aber mit blutenden Herzen. Es braucht von Männern sehr viel Mut sich einzugestehen, dass sie Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Der Mann wird in unserer Gesellschaft noch immer reflexartig als Täter wahrgenommen. Auch wenn laut Stadtpolizei Zürich immerhin in jedem fünften Fall von Gewalt in den privaten vier Wänden der Mann das Opfer ist.

Und jetzt wollen Sie ein Männerhaus, weil es schliesslich auch Frauenhäuser gibt?

Nein. Wir wollen ein Männerhaus, weil Männer in Not einen Unterschlupf brauchen. Ich hätte so etwas damals gebraucht, als ich mich von meiner Frau trennte. Der VeV hat das Projekt bewusst nicht Männerhaus genannt, weil er die Frauen nicht kategorisch aussperren will. Gibt es die Chance zu vermitteln, tun wir das. Oder schicken das Paar zu einem Mediator. Ausserdem ist die Adresse des «ZwüscheHalt» im Unterschied zu denjenigen der Frauenhäuser nicht geheim.

Was für Opfer erwarten Sie?

Vor allem Väter. Väter zum Beispiel, die vom Eheschutzrichter angewiesen werden, innert dreier Tagen ihr Hab und Gut zusammenzupacken, die Kinder zu verlassen und auszuziehen. Oft finden sie in dieser kurzen Zeit keine Wohnung. Schon gar keine, die in der Nähe ihrer Kinder liegt. Ausserdem erwarten wir Väter, die den Terror zu Hause nicht mehr aushalten, aber bisher den Kindern zuliebe geblieben sind. Ihnen und den Kindern bieten wir für kurze Zeit Unterschlupf, Beratung und Hilfe an.

Machen Sie sich damit nicht der Beihilfe zur Kindsentführung schuldig?

Wenn Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäusern untertauchen, gibt es viele Anzeigen wegen Kindsentführung, ohne dass diese jedoch Konsequenzen zeitigen. Es wird sich zeigen, ob Männern dasselbe Recht zugestanden wird – nämlich sich selbst und die Kinder zu schützen. Ich rechne durchaus mit Polizeibesuch. Selbstverständlich haben wir vorgängig den «ZwüscheHalt» bis in den kleinsten Winkel juristisch durchleuchten lassen, um sicher zu gehen, dass wir das Recht auf unserer Seite haben.

Mussten Sie Anpassungen machen?

Ja. Die Schlafzimmer der Kinder und der Männer befinden sich auf zwei verschiedenen Etagen. Wenn eine Mutter im Frauenhaus Zuflucht sucht und mit ihrem Kind im selben Zimmer untergebracht wird, kommt niemand auf Hintergedanken. Wenn wir den Vätern dasselbe erlauben würden, gäbe es bald flächendeckend Schlagzeilen wegen Missbrauchverdachts.

Wer betreut die Väter?

Engagiert ist ein Vollzeitbetreuer, der nicht nur das Haus managt, sondern auch den Haushalt schmeisst. Es handelt sich um einen unserer besten Väterberater. Ausserdem stützen wir uns auf ein Team von Fachleuten, darunter Psychologen, Ärzte und Seelsorger.

Und wer bezahlt die Rechnungen?

Der VeV kann die Kosten von rund 10′000 Franken im Monat für das erste Jahr aus Mitgliederbeiträgen und Spenden berappen. Im Gegensatz zu den Frauenhäusern werden wir vorerst weder von Opferhilfestellen noch aus Gleichstellungsbudgets finanziert. Unser Ziel ist es natürlich, das zu ändern.

ZwüscheHalt, 079 645 95 54, Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können ;
www. zwueschehalt.ch

Tages Anzeiger HYPERLINK "http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/6448/das-mannerhaus/08.12.09"http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/6448/das-mannerhaus/08.12.09 

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( lundi, 22 août 2011 )
 
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