Ein Mann von 54 Jahren sitzt seit gestern Mittag bei der Kriminalpolizei von Montpellier in Untersuchungshaft. Er, der bereits durch sexuelle Gewalttaten bekannt geworden war, wurde befragt über seine eventuelle Beteiligung am brutalen Mord an der 19-jährigen Mokhtaria Chaïb, die am 20. Dezember 1997 in der Nähe des Bahnhofs von Perpignan tot aufgefunden worden war.

“Zwölf Stiche mit einer feinen und langen Klinge mitten ins Herz“

Ein aussergewöhnliches Verbrechen: „Ihr Körper war verstümmelt: beide Brüste waren abgeschnitten und ein grosses Dreieck auf der Höhe der Genitalien ausgeschnitten“, notierten die auf dem Platz erschienenen Polizeibeamten. Die Autopsie ergab, dass die Studentin mit „zwölf Stichen mit einer feinen und langen Klinge mitten ins Herz“ getötet worden war. Sie war wahrscheinlich am Vorabend auf dem Heimweg angefallen worden.

Dieses Verbrechen schockt ganz Perpignan, ist doch erst zwei Jahre vorher Tatiana Andujar, eine 17-jährige Gymnasiastin, verschwunden. Auch damals verloren sich die Spuren beim Bahnhof. Wie Mokhtaria war auch sie gross, schön und dunkelhäutig und trug lange Haare.
Sechs Monate später erneut ein Schock: Eine andere junge Frau, Marie-Hélène Gonzalez, verschwindet. Ihre verstümmelte Leiche wird zehn Tage später, am 16. Juni 1998, an der Zahlstelle Süd von Perpignan aufgefunden.

Ein bereits wegen sexueller Gewalt vorbestrafter 54-jähriger Mann aus Perpignan

Seither führte die Polizei von Perpignan die Untersuchung ununterbrochen weiter. Hunderte von Zeugen werden befragt und Dutzende von Verdächtigen einvernommen.

Angesichts der fortgeschrittenen Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchungen, beginnt die Polizei im Jahre 2011 mit der erneuten Überprüfung von einer Reihe von ähnlich gelagerten abgeschlossen Gerichtsfällen.

Nach monatelangen Nachforschungen schien ein Fall eine Spur aufzuzeigen.

Dieser Hinweis erschloss sich aus dem Tathergang beim Mord an Makhtaria Chaib: Es ergab sich ein Hinweis auf einen 54-jährigen Mann aus Perpignan, der bereits wegen sexueller Gewalt vorbestraft und im Zusammenhang mit diesem Mord vernommen worden war.

Der Mann wurde am Dienstagmittag durch die Polizei von Perpignan einvernommen und in Untersuchungshaft gesetzt. Alle an der aussergewöhnlichen Untersuchung beteiligten Instanzen hoffen nun sehr, dass auf ein Grossteil der  offenen Fragen Antworten gefunden werden können.

Quelle : http://www.midilibre.fr/ 14.10.2014
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Zur Erinnerung :

Die Mordfälle vom Bahnhof Perpignan sind ein französischer Kriminalfall. Zwischen 1995 und 2001 verschwinden vier jungen Frauen; drei von ihnen werden unter ähnlichen Umständen tot aufgefunden, was darauf hinweist, dass ein Serienmörder am Werk gewesen sein könnte.

Seit 19 Jahren ungeklärt!

24. September 1995
Tatiana Andujar, eine 17-jährige Gymnasiastin, wohnhaft in Llupia, verschwindet gegen 19.30 Uhr im Bereich des Bahnhofs. Sie ist mit dem Zug aus Toulouse gekommen, wo sie das Wochenende verbracht hatte.  Ein Soldat hat bestätigt, mit ihr gereist zu sein. Heute – fast 19 Jahre später – hat man noch keine Spur des Mädchens gefunden.

20. Dezember 1997
In der Nacht verschwindet die 19-jährige Soziologiestudentin der Universität Perpignan, Mokhtaria Chaïb, auf dem  Heimweg von einer Freundin, die im Bahnhofquartier wohnt, ins Universitätsgelände; sie ist zu Fuss unterwegs.

21. Dezember 1997: Die Leiche des Mädchens wirde am Rande des unbebauten  Geländes an der Avenue Nungesser-et-Coli aufgefunden. “Die nackte Leiche ist grausig zerstückelt, beide Brüste abgeschnitten, die Genitalien ausgeschnitten“, steht im Polizeirapport. Zahlreiche Stichverletzungen sind sichtbar. Gemäss ersten Ermittlung wurde die Unglückliche an Ort und Stelle getötet.

Januar 1998
Ein peruanischer Chirurg, Andrés Palomino-Barrios, wird in Perpignan festgenommen, wegen „Mord, Folterung und barbarischem Handeln“ angeklagt und eingesperrt.

16. Juni 1998
Die 22-jährige Marie-Hélène Gonzalez wird von einer Freundin zum Bahnhof von Argelès-sur-Mer gebracht; sie fährt nach Perpignan, von wo aus sie mittels Autostopp  zu ihren Eltern in Toulouges fahren will. Man weiss mit Sicherheit, dass sie in Perpignan angekommen ist.

Ihr Leichnam wurde am 26. Juni 1998 von einem Schrotthändler in einem unbebauten Gelände gefunden, unter einer Brücke, welche die A9 überquert, in der Nähe der Zahlstelle Süd. Der Körper ist nackt und grausam zerstückelt. Man sieht Spuren von Messerstichen. Der Kopf ist abgetrennt, die Genitalien sind herausgeschnitten und die Handgelenke durchgeschnitten. Die Art und Weise der Lagerung und das fehlende Blut deuten darauf hin, dass Marie-Hélène Gonzalez an einem andern Ort so zugerichtet wurde. Diesen hat man bis heute nicht gefunden.
Das Haupt und die Hände wurden, verpackt in einem Plastiksack, in einem Strassengraben zwischen Banyuls-dels-Aspres et Saint-Jean-Lasseille am 30. Dezember 1998 gefunden.

August 1998
Andrès Palomino-Barrios wird entlassen und für 10 Jahre des Landes verwiesen.

25. Mai 2000
Esteban Reig wird in Lyon festgenommen, nachdem er einen Mann getötet und die Leiche dann verstümmelt hat. Ende 1997, Anfang 1998 war er in Perpignan gewesen wo er im Bahnhofquartier im Foyer d’accueil pour SDF Le Tremplin logierte. Zwei Jahre später beging er im Gefängnis Selbstmord.

Quellen : 

http://www.midilibre.fr/2014/10/14/exclusif-disparues-de-la-gare-de-perpignan-un-suspect-en-garde-a-vue,1065877.php
und

http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2014/10/14/01016-20141014ARTFIG00396-disparues-de-la-gare-de-perpignan-un-suspect-interpelle-plus-de-15-ans-apres.php

PS: Der Mann hat den Mord an der 19-jährigen Mokhtaria Chaïb  und die Verstümmelung deren Leiche gestanden. Spuren seiner DNS wurden auf ihren Schuhen gefunden.

http://www.lindependant.fr/2014/10/16/affaire-des-disparues-de-la-gare-de-perpignan-le-suspect-interpelle-avoue-le-meurtre-de-mokhtaria-chaib,1943175.php,

16.10.2014