Vor 45 Jahren wurde die 13-jährige Lydia Schürmann in Bielefeld ermordet. Der Täter konnte nie gefasst werden. Nun hat sich der Mörder der Schülerin nach mehr als vier Jahrzehnten bei der Polizei gemeldet. Er schickte einen anonymen Brief an die Ermittler.

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Es ist das Schlimmste, was einer Familie passieren kann: Ein Streit zwischen Mutter und Tochter eskaliert. Kurz darauf verschwindet die 13-Jährige, und ihre Eltern werden sie nie wieder lebendig sehen. So geschah es im Fall der Lydia Schürmann aus Bielefeld in Nordrhein-Westfalen. Die Tragödie passierte 1962. Der Mörder des Mädchens wurde nie gefasst. Nun hat er sich per Brief gemeldet.

Worum es bei der Auseinandersetzung ging, wird wohl keiner der damals Beteiligten mehr sagen können.

Fest steht: Die 13-jährige Lydia Schürmann bekommt nach einem Streit mit ihren Eltern Hausarrest. Doch das Mädchen denkt nicht daran, zu Hause zu bleiben. Aus dem Fenster ihres Kinderzimmers flüchtet sie, will nach Frankreich durchbrennen. Ein belgischer Lastwagen-Fahrer nimmt das Mädchen mit bis zur niederländischen Grenze nach Elmpt. Er sagt später aus, die junge Frau wollte nach Frankreich. Doch an der Grenze übermannt die Ausreißerin wohl das Heimweh, sie macht sich per Anhalter auf den Weg zurück zu ihrem Elternhaus. Doch dort kommt sie nie mehr an.

Am 19. August 1962 findet ein Pilz-Sammler die Leiche des Mädchens. Die Polizei fahndet intensiv nach dem Täter. Erfolglos. Die Ermittlungsakte wird geschlossen.

 

Den Täter plagt die schreckliche Tat

2007 erhält das Polizeipräsidium in Kaiserlautern einen anonymen Brief. „Ich habe ein Geständnis zu machen. Ich bin alt und krank und halte Rückschau auf mein Leben. Mit einer Sache komme ich nicht fertig. Ich habe einen Menschen getötet“, steht dort in krakeliger Schrift geschrieben. „Anfang der 60er war ich unterwegs und habe ein Mädchen per Anhalter mitgenommen. Sie war etwa 15.“ Schnell wird den Ermittlern klar, dass es sich bei dem anonymen Geständigen um den Mörder von Lydia handeln könnte.

Das erste Schreiben des angeblichen Mädchen- und Frauenmörders: "... Ich habe einen Menschen getötet...", gesteht er in krakeliger Handschrift.

Das erste Schreiben des angeblichen Mädchen- und Frauenmörders: „… Ich habe einen Menschen getötet…“, gesteht er in krakeliger Handschrift.

Der mutmaßliche Täter schreibt weiter: „Ich wollte sie doch nicht töten … Wollte mich stellen, hab es immer wieder nicht geschafft… Ich habe Angst, mich zu stellen… Ich habe Angst vor dem Gefängnis – dass ich dort sterbe. Aber ich will mein Gewissen erleichtern… Was soll ich tun nach all den Jahren?“

Die Ermittler sind von der Echtheit des Briefes überzeugt

Die Kripo schätzt das Schreiben als authentisch ein. Kurz darauf erhalten die Ermittler ein zweites anonymes Schreiben. Der Verfasser bietet der Polizei an, ihnen Informationen über den Schülerinnenmord von Bielefeld zu geben. Leider ist der Brief ebenfalls anonym versendet worden. Zwischen den beiden Briefen besteht ein Zusammenhang, sie sind allerdings von unterschiedlichen Schreibern. Nun gehen die Beamten an die Öffentlichkeit, wenden sich an den Fernsehsender ZDF.

Bereits sechs Jahre nach Lydias Tod 1968 suchte Eduard Zimmermann in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ den Mörder des Mädchens. Allerdings ohne Erfolg.

Mit der neuen Entwicklung in dem Fall startet der Sender gemeinsam mit der Kripo erneut einen Versuch, den damaligen Täter dingfest zu machen.

Und „Aktenzeichen XY ungelöst“ scheint weitere heiße Spuren zu bringen. Bis jetzt sind rund 20 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Eine Anruferin hat sogar angeblich einen Brief des Mannes, der das anonyme Schreiben verfasst haben soll. Die Polizei ermittelt – seit nunmehr 45 Jahren.

Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, ist eine Belohnung von 1500 Euro ausgesetzt.

Zuständig: Kripo Bielefeld, 

+49 (0)521) 54 50

 

 

In wirren Bekennerbriefen an Polizei und Bundeskriminalamt hatte das Phantom die Morde an der Schülerin Lydia Schürmann (13), 1962 nahe Gütersloh, ()) und an der Hure Heiderose Berchner (29), 1970 in Nürnberg ), gestanden. Doch nun steht fest: Der Verfasser hat mit den Taten nichts zu tun, er sehnte sich lediglich nach Aufmerksamkeit.

 

Anfang der Woche wurde Markus M. (34, Name geändert) in einer psychiatrischen Klinik am Chiemsee als derjenige Briefeschreiber enttarnt, der seit 2005 Polizeidienststellen im ganzen Land genarrt hatte. In die Anstalt hatte sich M. selbst eingewiesen, nachdem die Polizei in der saarländischen Hochwald-Region einen Massengentest unter 5000 Senioren gestartet hatte. Als er eine Postkarte vom Chiemsee an seine in Weiskirchen lebenden Eltern schrieb, erkannte der Postbote die Handschrift des angeblich ältesten Seriernkillers. In seiner Vernehmung gestand Markus M.

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Führt DJ Ötzi zum Mädchen-Mörder?

Dieser vermeintliche Ermittlungserfolg dürfte zu betretenen Mienen bei den Fahndern gesorgt haben. Denn nach Analyse der insgesamt fünf Briefe hatten die Ermittler keinen Zweifel daran, dass der Verfasser Wissen hatte, das nur der Täter haben konnte! Sie vermuteten, dass er älter als 65 Jahre, schwer krank und äußerst kaltblütig ist. Und seit Juli 2007 meinten sie auch zu wissen, wo sie nach ihm suchen müssen: In der Gemeinde Weiskirchen war ein Drohbrief gegen DJ Ötzi eingegangen: „Wenn der auf die Bühne geht, wird er abgeknallt.“ Am Umschlag fanden sich dieselben DNA-Spuren wie an den anderen Bekennerbriefen.Chef-Ermittler Knut Packmohr gab sich im September optimistisch: „Wir vermuten den Täter in einem der Altenheime oder Sanatorien in der Hochwald-Region. Wir kriegen ihn – und dann stellen wir ihm die Kosten für den Massengentest in Rechnung.“ Doch nach der Entdeckung von Markus M. bleibt der Sonderkommission Brief nur betretenes Schweigen. Schon wegen seines Alters kommt er nämlich für die beiden Morde nicht in Frage – und auch nicht für die anderen 13 Morde, zu denen er sich in seinen Briefen bekannt hatte. Ärzte attestierten dem Mann ein extremes Geltungsbedürfnis. Die Berichterstattung über seine Briefe stachelte ihn zu immer neuen Wortmeldungen an. So beschwerte er sich erst jüngst darüber, dass er als „Deutschlands ältester Serienkiller“ bezeichnet worden war.

Der Drohbrief gegen Sänger DJ Ötzi. +

Der Drohbrief gegen Sänger DJ Ötzi.

Die Durchsuchung seiner Wohnung brachte Klarheit, woher er sein Wissen bezog: Im Keller fanden die Beamten Zeitungsausschnitte aus den 60-er und 70-er Jahren sowie ein riesiges Archiv – DVDs und Videos – mit aufgezeichneten Aktenzeichen-XY-Sendungen. Zuletzt war auch Markus M. selbst ins Visier der Fernseh-Fahnder geraten!

Nach der überraschenden Wende in dem Fall wurde sofort eine mit riesigem Aufwand gestartete DNA-Untersuchung abgeblasen. Während die Bürger von Weiskirchen aufatmen – sogar der Pastor wurde bestürmt, das Beichtgeheimnis zu brechen – bekommt Markus M. vielleicht noch Ärger: Gegen ihn wird u.a. wegen Bedrohung von DJ Ötzi ermittelt.Wer aber hat Lydia Schürmann wirklich umgebracht? Die Spur zu deren Mördern ist vorerst erkaltet.

http://www.tz.de/bayern/mysterioeser-briefeschreiber-entlarvt-72850.html,

Von Cordula Schmitz